Advent - Trotz allem

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Advent - Trotz allem

Advent. Ich  habe diese Zeit in meinem Inneren noch einmal neu verstanden.

In der diesjährigen Adventszeit habe ich Tränen der Verzweiflung geweint. Ich fühlte zum ersten Mal in meinem Leben eine Art Ohnmacht und ein Stück Hoffnungslosigkeit, welche ich so nicht kannte.

Und in dieser Hoffnungslosigkeit habe ich den Advent neu erlebt.

Ein Mann in der Bibel hat mal geschrieben, dass wir uns allezeit freuen sollen. Das hat er nicht geschrieben als alles happy clappy bei ihm war. Das hat er aus einem antiken Gefängnis geschrieben, in Konfrontation mit Todesgefahr und in physischer und psychischer Bedrängnis.[1]

Wie feiere ich Advent, wenn ich mich irgendwie so fühle, dass ich es am ehesten mit dem Wort „Bedrängnis“ beschreiben kann?

Was bleibt im Innen, im Herzen, in der Seele, im Körper, wenn das Außen mehr und mehr wegzubrechen droht?

Ich habe neu erlebt:

Advent ist unabhängig der Umstände. Unabhängig von Weihnachtsmärkten und Glitzer. Unabhängig von Weihnachtsshopping und schillernder Weihnachtsmusik. Unabhängig von: ich muss „Weihnachtsstimmung erzeugen und Plätzchen backen“. Unabhängig davon, ob ich es gerade fühle oder nicht. Unabhängig von politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Theorien.

Advent ist die Zeit des: „Freuet euch!“[2] Nicht ein „Freuet euch!“, weil alles so schön ist. Es ist ein „Freuet euch!“, wenn einem nicht danach ist. Ein „Freuet euch!“, trotz allem. Gerade deshalb.

Diese Freude im Advent empfinde ich trotz allem:

Wenn ich durch die beleuchtete Stadt gehe und auf der Straße einen Schulchor aus der Ferne: Gloria in Excelsis deo singen höre – dann ist für mich Advent.

Wenn ich mit einem Kaffee in der Hand spazieren gehe und unabhängig der Umstände innerlich fühle, dass ich bis in die Tiefe meines Herzens tiefe Zufriedenheit empfinde – dann ist für mich Advent.

Und ich dieses Glück, den inneren Frieden, in einem Teil meines Herzens habe und es oft gleichzeitig schwer ist und sich hoffnungslos anfühlt – dann ist für mich Advent.

Wenn ich mit Zufriedenheit erfüllt bin, obwohl mein Leben sich seit Monaten und mein Blick auf das Leben stark verändert hat –  dann ist für mich Advent.

Wenn ich meine Kaugummis an der Kasse vergesse und ein Mann mir hinterherläuft und mich daran erinnert – dann ist für mich Advent.

Wenn ich sehe, welche tiefsinnige, stärkende und tollen Freunde und Familienmitglieder ich habe – dann ist für mich Advent.

Wenn ich im Dunklen minutenlang auf die leuchtende Kerze in meinem Wohnzimmer schaue, wie sie die Dunkelheit erhellt – dann ist für mich Advent.

Wenn ich auf die Krippe schaue und mir vorstelle in welche Umstände Jesus damals hineingeboren wurde – Unruhe, politische Umwälzungen, Abweisung und er die Geschichte trotzdem maßgeblich verändert und mit Hoffnung und Freude belebt – dann ist für mich Advent.

Advent – ist nicht immer happy clappy. Und trotzdem empfinde ich tiefe Freude, nicht jeden Tag und nicht immer, aber sie ist da. Nicht immer die Emotion der Freude an sich. Aber die Freude, die ich mit Frieden verbinde. Manchmal mehr, als ich es selbst erwarte.

Und dann fühle ich in meinem Leben eine Art Freude, Frieden und Hoffnung, welche ich so auch noch nicht kannte. Trotz allem.

Gloria in excelsis deo!
Hört ihr, was die Engel sagen?
Diese Welt ist nicht verlorn,
denn, um unsre Schuld zu tragen,
wurde heut ein Kind geborn.

Gloria in excelsis deo!
Gloria in excelsis deo!
Hört ihr, wie die Engel spielen,
wie ihr Lied zum Himmel klingt?
So wie sie sollt ihr euch fühlen,
dass ihr selbst voll Freude singt:
Gloria in excelsis deo!
Gloria in excelsis deo!


[1] Die Bibel, Phillipper 4,4

[2] Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! (2Kor 13,11; Phil 2,18; Phil 3,1; 1Thess 5,16)  Freut euch zu jeder Zeit! 1. Thess. 5,16

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