Die Farbe des Herzens

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Die Farbe des Herzens

Ich verbrachte ein Wochenende in einem Projekt für Waisenkinder.

Ich möchte mir verschiedene Projekte anschauen. Die Realität sehen.

Und so fuhr ich mit einer neugewonnenen Freundin, eine Schweizerin, mit dem Bus tiefer ins Gebirge. Abenteuerliche Fahrt.

Die Schweizerin kannte das Projekt schon. Ich nicht. Es war mein erstes Mal in einem Kinderheim.

Und ich ging durch das Tor und das erste was mich erreichte und mich fast überwältigte, war die Freude und die Wärme, die ich spürte. Ja richtig, Freude – JOY.

Und ich sah meine Freundin, wie sie keinerlei Hemmungen hatte, auf alle zuging, die Kinder begrüßte. Und ich?

Ich erstarrte.

Mir gingen all die Gedanken im Kopf wirr, wenn man bedenkt, wie kritisch alles in Richtung „Entwicklungshilfe“ etc. zum Teil zu bewerten ist. Der wissenschaftlich denkende Part meines Hirns ist hinterfragend und kritisch – gerade was das Thema der „Weißen“ in Afrika betrifft. Ich verdrehe meistens die Augen, wenn ich auf Facebook oder Instagram, die weiße oder europäische Ehrenamtliche mit den „schwarzen“ Kindern im Arm sehe. Am besten noch mit einem „Ich verbessere die Welt – Zitat“ darunter. Und jetzt bin ich selbst in einer solchen Situation. Mache diese Bilder. Kritisch.

Und dann war ich hier – vor Ort – und sah das Herzblut engagierter Griechen, die mit so viel Liebe und Kraft Tag für Tag versuchen, das bestmögliche, für diese Welt zu geben. Das ist zum großen Teil wirklich hart. Trotzdem sind sie so voller Energie und Liebe – unfassbar. Und meine kritischen Gedanken wurden leiser. Weil es eine Sache ist, aus Deutschland zu sagen, es ist nicht gut, dass Europäer in Afrika Projekte starten. Und eine andere ist es dann hier vor Ort zu sein. Ich frage mich, wer sich in diesem Dorf wohl sonst um die Waisen kümmern würde und wer sonst eine Schule aufbaut, mit pädagogischen Ansätzen, die der Wertschätzung folgen. Wer sonst, frage ich mich. Ich weiß es nicht.

Ich sah den Bedarf. Ich sah positive Beispiele tansanisch/europäischer Zusammenarbeit. Ein hoher Anteil der Mitarbeiter ist tansanisch. Aber ich sah auch die großen Probleme und gleichzeitig viel Freude. Viel viel Freude. Und so erlebte ich nach einer harten Woche die griechische Gastfreundschaft, die mich aufbaute und die eine kleine Metapher für ihr Engagement für die Kinder darstellt. Die „Wir sind eine Familie“ am Tisch sagende Gastfreundschaft.

Und so „löste“ sich meine Starre und es wurde „normaler“ für mich, stundenlang UNO zu spielen, weil dieses Kartenspiel endlose Begeisterung hervorruft. Es wurde normaler für mich, den begeistert gesungenen Kirchenliedern zu hören, während die Kleinste auf meinem Schoß einschlief.

Es wurde normaler für mich zu verstehen, dass es wichtig ist, miteinander zu spielen, damit erkannt wird, dass die Farbe des Herzens gleich ist.

Es war sogar irgendwie normal für mich als wir gebeten wurden, im Gottesdienst zu sprechen. Unsere Geschichte zu erzählen. Zu ermutigen. Von junger Mensch zu junger Mensch.

Und so war es ein Herzensmoment in meinem Leben, dass ich zum ersten Mal vor so einem großen Publikum „meine“ Geschichte teilte. Auf Englisch. Und so erzählte ich, dass es mir als „reiche Weiße“ vor 10 Jahren sehr schlecht ging. Ich vor 9 Jahren quasi einen zweiten Geburtstag hatte und ich weiß, dass ich nur durch Jesus zurück zur Lebendigkeit und zum Leben fand.

Nicht nur die Farbe des Herzens ist gleich.

Auch der Gott, an den ich glaube, ist gleich – egal, wo auf der Welt. Egal, ob in einem tansanischen Waisenheim oder in einem deutschen Kinderzimmer.

Und so wurde es für mich „normaler“, dass es eben ein Stück weit „normal“ ist, ein paar Tage voller Freude und Spiel zu verbringen, um dann wieder zu gehen. Die Freude bleibt dort. Auch ohne uns.

*es ist ein schwieriges Thema, und ich denke, man kann es schwer zu Ende denken. Für mich, war dieser Besuch eine sehr wertvolle Erfahrung, weil ich nie mit so viel Freude gerechnet hätte. Außerdem war es eine große Ehre für mich, vor Teenagern und Kindern sprechen zu dürfen. Eine sehr große Ehre, für die ich dankbar bin.

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