Dinge, die ich (nicht) an der Uni lernte

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Dinge, die ich (nicht) an der Uni lernte

1. Thesen aufstellen

Ach ja, die lieben Thesen. Eine diskutierbare These ist die Grundlage jeder Hausarbeit. Ich habe schon gefühlt 100 davon geschrieben. Ich frage mich aber immer wieder, warum die alle gut waren. Ich habe den Eindruck, dass ich gar nicht genau weiß, was eine These ist. Sie muss diskutierbar sein. Ja klar, aber letzten Endes erfinde ich das Rad in den seltensten Fällen, abgesehen von einigen Hausarbeiten mit Umfrageteilen, neu.

Man sucht eher tausend Bücher zusammen und pickt aus jedem der Texte Inhalte zum Thema heraus. Diese werden umformuliert und schön mit Quellenangabe gekennzeichnet. Dazwischen formuliert man galant die eigene Meinung zu den einzelnen Quellen, indem man möglichst viele Worte wie exemplarisch, adäquat und signifikant in die Tasten haut.  Das kann ich richtig gut. Aber Thesen aufstellen? Die gleichzeitig diskutierbar, vielfältig beantwortbar, aber trotzdem doch irgendwie für mich beantwortbar sein müssen? Die davor noch niemand von den schlauen Bücherschreibern gestellt hat? Es aber trotzdem genug Literatur gibt? Davor graute es mir jedes Mal. Auch bei der 101. Hausarbeit.

2. Unterrichten

Ich werde Lehrerin. Jeder weiß, dass alles Studiengänge dieser Welt nicht praxisnah sind. Ich finde es auch wirklich toll, tausend Theorien zu vergleichen. Man wird jedoch nicht auf den Beruf vorbereitet. Das macht Angst.

3. Die harte Welt kennengelernt

Es gibt einen Ort auf dieser Welt, an dem sich alle lieb haben. An dem kein Neid herrscht. An dem sich alle dick: “Toleranz” auf die Stirn geschrieben haben und es genauso meinen, in der man zusammen weint und sich gegenseitig tröstet. An dem die rosaroten Seifenblasen seltener platzen und die Feen und Einhörner häufiger springen. Dieser Ort war für mich mein Studium. Ich weiß, nicht in allen Studiengängen ist das so. Bei uns schon. Parallelwelt. Alle haben sich lieb. Alle für einen und einer für alle. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mit Intrigen, Lästereien und Bösartigkeiten umgehen soll, falls sie mich mal irgendwann in der “harten Welt” wiederergreifen sollten. So was gab es in meinen Studienjahren einfach nicht.

Danke an alle dafür!

Was ich dafür lernte.

Ich habe gelernt, kritisch zu denken, die Ungerechtigkeiten unseres Bildungssystems aufzudecken, zu diskutieren, selbstständig zu arbeiten, zu reflektieren, mich für Vor- und Nachteile philosophischer Sichtweisen zu entscheiden… Das hat mich und meine Sicht auf die Welt erweitert. Ich habe gelernt, dass ich hinter jedem Begriff eine genaue Definition benötige und ich Stunden darüber diskutieren kann, inwiefern man nun dieses Wort gebraucht.

Ich habe gelernt, dass ich hinterfrage. Mich erreichen regelmäßige Wutanfälle, wenn „Instagramer“ Behauptungen aufstellen, ohne Quellen zu nennen. Oft recherchiere ich nach und finde keinerlei Bestätigung im www. Und ich habe gelernt, trotzdem keine wutentbrannten Nachrichten zu schreiben und zu hoffen, dass die Menschheit und auch ich immer wieder von neuem anfängt ZU DENKEN.

Das Wichtigste, was mich die Uni lehrte, waren die Menschen, dir mir zeigten, dass man Hilfe annehmen darf, dass man ein Team ist und dass man Vertrauen kann. YEAH!

Und so schreite ich ein letztes Male durch die Gänge meiner Uni, an der ich 5 Jahre studierte und 1 Jahr arbeitete. Ein knappes Viertel meines Lebens verbrachte ich hier. Und es war sie wohl wirklich: Die berühmte beste Zeit im Leben!

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