Mein ganzes halbes Jahr.

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Mein ganzes halbes Jahr.

Juni 2019 – Zeit, um ein Resümee des ersten halben Jahres zu schreiben. In diesem Juni befinde ich mich exakt in der Mitte des „25 Jahre alt seins“. Exakt zwischen 20 und 30 Jahren. Es ist also ein ganz besonderer Juni.

Mein ganzes halbes Jahr 2019 lässt sich beschreiben mit dem Wort: Zwischenzeit. Ich lebe irgendwie zwischen zwei Leben.

Zwischenzeit.

Im ganzen halben Jahr befinde ich mich zum Beispiel beruflich zwischendrin. Ich habe 6 Monate im Jahr 2019 gearbeitet und habe nun angefangen mich mit dem Beruf der “Wissenschaftlichen Mitarbeiterin” zu identifizieren, da ist es auch schon wieder vorbei. Die restlichen 6 Monate werde ich mit dem Leben und der Welt verbringen. Eine Hälfte des Jahres bin ich brav strukturiert jeden Tag 6.30 Uhr aufgestanden und an die Arbeit gegangen, die andere Hälfte lasse ich mich treiben. Arbeitslos. Gewollt. (Keine Sorge, mein Arbeitsvertrag war für 9 Monate befristet und ich habe nicht gekündigt. ;)) Ich lebe momentan sozusagen zwischen Job und Abenteuer.

Zwischenzeit.

Mein ganzes halbes Jahr war davon geprägt, meinen (+) 25-jährigen Freunden beim Erwachsen werden zuzuschauen. Denjenigen, die sich von einem auf den nächsten Tag verloben, heiraten, Kinder bekommen. Oder sich Platzdeckchen zulegen. Auf der anderen Seite eine Freundin, die ihrem Erwachsenenleben jetzt, mit 25 Jahren, erst mal den Rücken gekehrt und gefühlt das ganze halbe Jahr an einem anderen Strand verbracht hat. Und ich? Ich bewege mich in meiner Zwischenzeit zwischen dem chaotischen WG-Zimmer mit Feenflügeln im Badezimmer, den Dönerbonuspunkten, dem Fernweh sowie den Forschungsaustauschrunden und den Einladungen des Rotary Clubs aufgrund des Ehrenamts.* Und hänge noch ein wenig an der guten alten Zeit Anfang des Jahres, als man aus vollstem Herzen das Lied „Willst du mit mir Drogen nehmen“ schmetterte und dazu eine Musicalpeformance aufs Parkett legte.

Zwischenzeit.

Ein ganzes halbes Jahr, indem die liebsten Freunde neue Kapitel in anderen Städten aufschlugen und aus meiner Umgebung wegzogen. Mein Herz ist deshalb gebrochen und doch auch wieder verheilt. Es hat Platz gemacht für neue Freunde in der Gewissheit, dass meine „alten“ Freunde für immer die besten bleiben. Denn es sind die, mit denen man in Zukunft und auch schon jetzt die: “Weißt du noch, damals im Studium? Geschichten” bespricht, um dann Tränen zu lachen. Und dabei die eine oder andere sentimentale Träne verstohlen wegwischt, weil man weiß, dass diese gemeinsame, prägende Zeit nie mehr zurückkehrt und unwiederholbar bleibt.

Zwischenzeit.

Ich befinde mich also irgendwo dazwischen. Zwischen Job und Reise, zwischen gediegen und neugierig, zwischen vernünftig und hysterisch.

Mein ganzes halbes Jahr hat mir gezeigt, dass sich eine Zwischenzeit gar nicht so schlecht anfühlt. Eine Zwischenzeit kann viel entstehen lassen. Das Dazwischen sein formt. Und man kann beide Seiten miterleben. Von beiden Seiten an den Enden des Dazwischenseins profitieren.  Das erwachsene Sein und das weniger erwachsene Sein genießen. In vollen Zügen. Mein ganzes halbes Jahr war voll. Voll an Ehrenamt, Fachbüchern, E-Mails, Gesprächen und Meetings. An großen und kleinen Wundern. Voll an Überlegungen, die meinen weiteren Weg beschließen. Und an Momenten, bei denen ich mich frage, ob es bei mir noch ganz stimmt. Nämlich dann, wenn ich im Park den Heulanfall des Jahres bekomme, weil mir mal ausnahmsweise einen Tag lang langweilig war und mein Fahrradschloss nicht aufging. Sofort musste meine Schwester ihre Unitätigkeiten unterbrechen, um in diesem äußersten Notfall zu mir zu eilen. Da merke ich, dass ich wohl auch zwischen dem Kind und Erwachsensein (fest)hänge. Zwischendrin.

Und ich weiß schon jetzt, dass ich mich in all den künftigen Jahren meines Lebens zu diesem einem Jahr mit dem Titel Zwischenzeit sehnen werde. Zu dem verrückten freien Jahr zwischen geregeltem Tagesablauf und der Freiheit meiner Tage ohne Verpflichtungen. Damals 2019.

Und hoffe, dass sie wiederkommt. Die Zwischenzeit.

Danke ganzes halbes Jahr 2019. Du warst großartig. Ein bisschen mehr erwachsen. Und hast mich ins Staunen gebracht. Immer wieder. Danke.

Anmerkung: *zusammen mit den mutigsten Frauen ever. Nicht ich alleine.

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