Tanzania Diary - Part 2/3

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Tanzania Diary - Part 2/3

Mein Tansania – Aufenthalt Part 2/3

13.10.19

Ich liebe Menschen.
Ich frage mich gerade, woran ich mich erinnern werde, wenn ich zurück bin.
An einen weiteren Berg, an einen See an tolle Fotos vom Nationalpark? Bestimmt.
Und gleichzeitig merke ich, wie ich mehr und mehr Entscheidungen treffe, die gegen einen weiteren Ausflug stehen. Wie ich glücklich bin, ein Teil des internationalen und ein bisschen Teil der tansanischen Welt sein zu können. Wie ich mich gegen Trips entscheide, bei denen man nie weiß, ob man zwischendurch feststecken wird oder ob es heiß, viel zu kalt oder nass ist. Und dass, obwohl ich Abenteuer mag. Aber ich glaube, ich werde mich tatsächlich am Ende eher daran erinnern, mit dem Bus in den Gottesdienst gefahren zu sein und das Gefühl zu haben, dazu zugehören ohne beäugt zu werden. Zaghaft Gespräche zu Tansaniern zu führen – soweit eben das Kisuaheli bzw. Englisch reicht. Wieder wie früher Pyjamapartys mit meinen neuen Schweizer Freundinnen zu feiern und am Abend beim Spieleabend meinen ultimativen Ehrgeiz in einer bunten Gruppe aus Amerika, Deutschland, Schweiz, Kanada und Südafrika unter Beweis zu stellen.
Ich glaube, in erster Linie erinnere ich mich an die Menschen hier. Die mir langsam wirklich ans Herz wachsen.

15.10.19

Und dann kam auf einmal der Punkt, zwischen all der Vorfreude auf zu Hause, da kommt der Punkt, dass ich Sorge habe, vor dem System in das ich in Deutschland wieder gerate. In das System Schule. In meinen eigenen Stress aus Job, Ehrenämtern und Fitnessstudio. In „alle sind verheiratet und ich fühle mich jung und lebendig“ und frage mich, wo die gemeinsame spontane Zeit ist.

20.10.19

Ich hatte hier ein kleines Akne Comeback – egal.
Meine Anziehsachen sind mir zu klein geworden (danke Weißbrot) egal, gibt eh kaum Spiegel.
Meine Haare sind fisselig – egal, habe sie hier eh nie offen.
Trage super gerne Sandalen mit Socken, weil ich immer kalte Füße habe – egal, machen hier viele #kleinertrend
Meine Beine werden selten einer Rasur unterzogen – egal, die Röcke müssen eh lang sein.
Egal, einfach egal. Das. Mag. Ich.

Backbanane – mein Straßensnack

28.10.19

Unterschiede. Ich weiß so wenig und dennoch möchte ich einen Gedanken gerne teilen. Ich habe das Privileg hier relativ schnell Menschen kennenzulernen. Verschiedene Menschen verschiedener Herkunft. Menschen, die mich zu sich nach Hause nahmen, die mir ihre Projekte zeigten. Und ich habe Projekte für Kinder “besucht”, um mir ein eigenes Bild zu machen. Projekte, die von sogenannten “Westlern” und welche die von Tansaniern geleitet werden. Und ja, es ist ein riesiger Unterschied, ob ein Heim für Waisen unter tansanischer Leitung oder westlicher Leitung geführt wird. Was ich gelernt habe ist, nicht zu werten. Es zumindest zu versuchen. Ich kann nicht meine europäischen Vorstellungen von Kindheit und Wertschätzung an das andere Ende der Welt übertragen. Ich darf nicht das, was bei uns als richtig gilt in die tansanische Kultur übernehmen. Warum sollten meine europäischen Denkkonzepte in Afrika funktionieren? Wer gibt mir das Recht dazu, zu erwarten, dass meine eigenen Erfahrungen wiedergespiegelt werden, dass ich hier meine Erziehung und Bildung wiedererkenne und dass meine Vorstellungen hier in irgendeiner Weise erfüllt werden? Niemand. Was gibt mir das Recht dazu, zu denken “Welches pädagogische Konzept liegt hier bloß vor?” Wenn ein Mann als ehemaliges betreutes Kind zu Besuch kommt und berichtet, dass er nur aufgrund des Projektes eine Ausbildung machen konnte. Nichts gibt mir das Recht dazu. Denn Früchte tragen beide, die westlichen als auch die tansanischen” Heime”. Es ist schwer, aber ich denke es ist unfassbar wichtig, nicht zu bewerten. Weder das eine oder das andere als schlechter oder besser zu verstehen. Denn das ist es nicht. Es ist anders. Gleichzeitig glaube ich, dass man ansprechen darf, dass es anders ist. Dass es Unterschiede gibt. Große. Und so versuche ich im tansanisch geführten Projekt die Dinge anzunehmen. Nur annehmen, nicht werten.

Und welch ein Segen, dass ich heute eine Bekannte Neuseeländerin im Café traf, die mir sagte, dass ich eine Ermutigung für sie war, als ich ihr meine Sichtweise gestern im Auto auf dem Weg zur Kirche erzählte. Und die mich heute mitnahm in diese Reise der Liebe zu einer vollkommen anderen Art.

1.11.19

RUHE. Die Zeit hier tat mir, trotz aller Herausforderungen, gut. Denn ich habe etwas gefunden, dass ich außerhalb meiner Heimatbesuche bei meiner Familie nie spüre. RUHE. Das klingt vielleicht komisch, aber ich habe gemerkt, dass ich zu zielorientiert bin. Generell weiß ich, dass ich etwas zu ehrgeizig bin und mir mein Terminplaner zu wichtig ist. Aber, dass ich es mit meiner Zielorientierung auch etwas übertreibe, war mir so noch nicht bewusst. Ich halte nicht an, wenn ich meine Ziele kenne. Für nichts. Erst in einem Land, indem es mehr um Beziehungen als um Ziele geht und ich kein Ehrenamt, keine Leistungsgedanken, kein Fitnessstudio hatte – da habe ich gemerkt, dass ich zum ersten Mal seit Jahren sagen konnte, Ja klar können wir uns 2h eher als geplant treffen, ich habe Zeit. Und das hat mich ziemlich überwältigt. Ich habe Zeit, aus meinem Mund, das gab es wahrscheinlich seit 6 Jahren nicht mehr so richtig. Ich hetze und ich renne in Deutschland durch Ehrenamt, sozialen Kontakten und Arbeit. Ich bin ständig erkältet, so oft krank. Und ich will das nicht mehr, den Stress, die Leistung, das immer Weiter und Maximale. Ich will anhalten können, wenn ich spontan jemanden unterwegs treffe, will nicht 2 Monate im Voraus meine Wochenenden durchgeplant haben, will keine “festen Termine” zum Abendessen oder Kaffeetrinken mit Freunden eintragen. Sondern Zeit haben. Leere Fenster im Terminkalender haben. Und nicht mehr denken, dass ich “produktiver” und “leistungsstärker” bin, wenn ich nach Arbeit und 3 Nachmittagsterminen anschließend noch bewältige, bei 40 Grad ins Fitnessstudio zu gehen. Das ist Quark. Ich möchte lieber, dass man mir sagt, toll dass du Zeit hast, anstatt wow bist du strukturiert. Tatsächlich hatte ich hier schon den ein oder anderen Panikmoment, wenn ich an meine Termine in Deutschland denke. Das ist schade. Ich würde sagen, ich habe ein ToDo für 2020.

4.11.19

Früher wollte ich immer spießig werden (in dem Alter, indem ich mich jetzt befinde. Also so mit Reihenhaus, Ehemann und 2 Kindern) Tja und tatsächlich lehnte ich eine weitere Jobmöglichkeit an der Uni ab, weil ich ja nach “Afrika muss”. Und fühle mich ziemlich unspießig dabei, 6 Monate in freiwilliger Arbeitslosigkeit zu leben. Und noch unspießiger dabei 10.000 km entfernt von meinen Reihenhausträumen zu leben und mich absolut mega krass mutig alleine mit diesen kleinen Tuktuks durch eine tansanische Stadt zu bewegen. Und am allermeisten unspießig, sehr weit entfernt von dem Hochzeitsschwung zu Hause zu sein, wie das halt so ist in meinem Alter. Und ich fühle mich gut dabei, viel unspießiger zu sein als ich dachte, dass ich mal sein werde. Haha.

9.11.19

Dieses Mal streckten sich die schmutzigen Ärmchen nach mir aus. Zerlumpte Kleidung, schmale Gesichterchen, müde und ausgelaugt. Und wisst ihr was? Ich vergaß alle reflexiven Gedanken, dass es vielleicht nicht gut ist, als „Weiße“ hier zu sein und wieder zu verschwinden (ich denke da sehr viel drüber nach, aber die Verantwortliche nahm mich mit in ihr Projekt, dass sie bewusst ohne den sogenannten „Waisenheim-Tourismus“, d.h. ohne Freiwillige aus der westlichen Welt führt). Wieder hatte ich diese kurze Starre, die sich dieses Mal aber schneller löste. Und wisst ihr was? Dieses Mal nahm ich in die Arme, spielte Fangen, wir verstanden uns ohne die selbe Sprache zu sprechen, schenkte Aufmerksamkeit und wahr berührt als sie stundenlang mit den mitgebrachten Luftballons spielten. War berührt als mir alle zuschauten, wie ich mit einem Stöcken Bilder in den Sand malte, war berührt, wie laut sie Lachen. Falls irgendjemand auf dem Herzen hat, Projekte für Kinder aus benachteiligten Familien, finanziell zu unterstützen, dann kann ich Projekte empfehlen, die ich selbst gesehen habe. Denn ja, es kann ein „Business“ sein. Ich denke, ich kann sagen, wo das Geld wirklich ankommt. Es müssen so viele hungrige Münder gestopft werden, so vielen Schulbildung ermöglicht werden und für das ein oder andere Kind ist dies nur möglich, wenn wir, die wir Geld haben, unsere Finanzen teilen. Ich hoffe sehr, dass sich das irgendwann ändert. Dass Länder auf eigenen Beinen stehen. Was denkt ihr darüber?

10.11.19

Ein weißes Blatt. Wie ein weißes Blatt liegt jeder einzelne Tag vor mir. Warum hetze ich eigentlich so? Und wieder überhole ich alle Fußgänger auf der Straße, weil ich es gewohnt bin in meinem europäischen Sturmschritt schnell an mein Ziel zu kommen: Ein Café. Der Weg zu meinem Ziel, für mich verlorene Zeit. So jedenfalls in Deutschland. Stopp! Denke ich. Was mache ich eigentlich? Wie habe ich die vergangenen 6 Jahre in Deutschland gelebt? Stress – Das Wort fällt mir ein. Versteht mich nicht falsch, ich liebe mein Leben, die Fülle an Ehrenamt, die vollen Tage, meine vielfältigen Hobbies, ich liebe es, am Abend müde ins Bett zu fallen mit der Erkenntnis viel mehr geschafft zu haben, als ich dachte. Ich liebe meine Definition von „Erfolg“, der durch Ehrgeiz, einem vollen Terminkalender, Struktur (wenn auch manchmal etwas verwirrte), regelmäßigen Fitnessstudio-Besuchen (egal, ob bei 40 Grad im Innenraum oder nicht) und einem großen Freundeskreis geprägt ist. Ich weiß aber auch, dass ich ein kleines Ehrgeizproblem und inneres Stressgefühl (bei äußerer Ausgeglichenheit) habe. Wenn sich Leute hier nach Europa verabschieden, die ich kennenlernte, dann sagen sie, sie haben Angst vor dem beschäftigten und stressigen Leben in ihrem Heimatland. Ich auch. Und ich wusste das eigentlich schon lange, dass ich zu viel mache, weil mir das viele Menschen häufig empfehlen, weniger zu hetzen. Kürzer zu treten. Und ich wusste das auch, als ich nach der ersten Hälfte des Jahres 2019, die ich eigentlich als recht ruhig empfand, fast 1,5 Monate lang krank war und nur noch schwach auf meiner Sonnenliege lag. Aber ich glaube so richtig verstanden, innerlich in meinem Herzen, habe ich es erst hier. Es geht nicht immer alles nach meinem Zeitplan, es geht manchmal einfach gar nichts. Und das ist okay. Und ich wache noch manchmal auf und denke: Auf gehts, ich habe die und die ToDos und dann fällt mir ein, dass ich in Afrika bin und keine ToDos habe. Jedenfalls kaum welche. Ich kann einfach SEIN. Ohne Leistung, ohne Ehrenamt, ohne Hetze. Verlangsame deine Schritte auf dem Weg zum Ziel.

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