Warum mich Rom nicht überzeugte, aber Italien trotzdem mein Herz eroberte.

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Warum mich Rom nicht überzeugte, aber Italien trotzdem mein Herz eroberte.

Ich hätte mich auch für den Titel „Ich werde von Rom erschlagen und suche am Ende den Flughafen zu Fuß.“ entscheiden können, formuliere es aber mal neutraler.

Ich nehme euch mit in grobe Riesefehler und ein Stück weit mit in das italienische Feeling.

Italien klingt nach langweiliger Pauschalreise. Muss es aber nicht sein.

Überfordert. Alle sagten mir, wie schön Rom sei. Rom ist schön – ohne Frage. Aber diese Stadt hat mich etwas fertig gemacht.

Rom ist monumental, impressiv, eindrucksvoll und so laut und viel, dass mich die Stadt überreizte. Überall reihen sich pompöse Gebäude aneinander, dass man nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll. Beeindruckend. Aber auch laut und voll.

Deshalb mochte ich unsere erste Unterkunft in Monti Tiburtina, einem Studentenviertel, fernab der Tourimassen und nervenden Straßenverkäufern. Abseits der Innenstadt, bekamen wir eine Pizza geschenkt.

Enttäuscht. Im Kontrast dazu stand das schlechte Essen in der Altstadt. Ich war enttäuscht vom hochgelobten italienischen Essen. An keinem Touriort wird sich noch Mühe mit dem Kochen gegeben – hauptsache teuer und mit hoher Servicegebühr für schlecht gelaunte Kellner.

Da ich ausversehen unsere Unterkunft eine Nacht zu kurz buchte, schliefen wir noch eine Nacht in einem Hostel. Es juckte mich in der Nacht und ich dachte, wenn ich einen Tag mal nicht dusche, bin ich sauberer, als wenn ich diese Dusche nutze. Merke: Immer noch mal genau nachschauen, wie lange man Aufenthalt hat. 😀

Erstaunt. Noch nie habe ich so viele Möchtgern-Influencer gesehen, wie am Trevi Brunnen. Massen an Personen standen um diese Sehenswürdigkeit. In den vorderen Reihen wurden im Sekundenrhythmus neue Posen angeboten. Minutenlang. Kussmund, Augen zu, Augen auf, unnatürliche Sitzposen, Beine zusammen, Beine breit (macht man das denn heutzutage?), der Finger mit günstigem Kitschring im Nahportrait. Sehr witzig als Zuschauer. (Links im Bild der Trevi Brunnen mit abgeschnittenen Touristen, rechts: Pantheon)

Weniger beeindruckend. Mein Rat, was man sich auf einer Romreise sparen kann? Den Vatikan. Es ist ganz nett, mal dort gewesen zu sein, aber beeindruckt hat mich der riesige Schatz der Vatikanstadt überhaupt nicht. Es blieb auch keine Zeit, sich irgendwas näher anschauen zu können, weil man dicht aneinandergedrängt, ständig der Angst ausgesetzt war, den blauen Regenschirm des Guides aus den Augen zu verlieren und in den Massen an Menschen unterzugehen.

Begeistert. Eine Empfehlung ist das Viertel Travestere. Hier findet man enge italienische Gassen und schöne Restaurants. Auch ein Blick vom Aussichtspunkt „ Gianicolo“ lohnt sich für das in rosa getauchte Rom der abendlichen Stunde (die Tongebung liegt wohl an den Häuserfarben).

Geliebt. Ostia Lido und den schwarzen Sand. In Ruhe am Strand sitzen und gemeinsam mit den Wellen über Sinn und Unsinn nachdenken. Das mag ich.

Rom ist schön, keine Frage. Aber die Stadt hat mich nicht gefesselt. Warum ich Italien trotzdem mag und wiederkommen möchte? Neapel hat mein Herz erobert.

Neapel: Und ich fühlte mich endlich als sei ich in Italien. Ohne Massentourismus. Aber mit italienischem Flair.

Mit dem Flixbus fuhren wir für 2 Tage von Rom nach Neapel.

Rasende Vesper, die sich in den engen Gassen durch Hupen ankündigen. Wäsche am Straßenrand. Körbe, mit denen die Einkäufe mittels Flaschenzug nach oben gezogen werden. Im Hintergrund das Meer und der rauchende Vesuv. Eine „Tag für Tag“ Leben Mentalität, weil ja der Vesuv jeden Moment wieder ausbrechen könnte. Die Ursprungsstadt der Pizza Margherita. Neapolitanisch anstatt Italienisch. Burgen im Wasser. Gespräche am Markt und Selfies mit Espresso-Verkäufern. Trotz hoher Arbeitslosigkeit – Lebensfreude. Endlich das gute Essen. Neapel war ganz anders als Rom und für mich viel authentischer. Eine Stadt, in die ich vielleicht noch einmal zurückkomme.

Dumm ist allerdings, wer eine Nacht „nahe am Flughafen bucht“, nach Ankunft mit dem Flixbus in Rom allerdings nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmittel zu diesem Ort gelangt. Dann eben die teuerste Taxifahrt meines bisherigen Lebens.

Und dann kam der abenteuerliche Fußmarsch zum Flughafen:

Spannende Unterhaltung vor dem Abflug. “Na klar laufen wir die 7km mit Gepäck zum Flughafen.” Während des Laufens. “Ach lass uns noch mal kurz am Strand chillen.” “Du Sarah, ich denke, wir müssen langsam weiter.” “Ja ich schreibe noch 2 Karten.” “Trinken wir noch einen Espresso?” “Oh ja. ” An der Kaffee Theke. “Ich glaube, wir schaffen es zeitlich nicht mehr zum Flughafen zu laufen.” “Dann schauen wir nach einem Bus.” “Okay, der fährt zu spät.” “Dann laufen wir einfach schneller.” “Googlemaps zeigt die falsche Richtung an.” “Das ist jetzt schon etwas gefährlich hier an der Straße.” “Lass uns mal nicht so naiv sein. Wir müssen jetzt echt aufpassen.” “Früher musste man auch alles laufen.” Und so kletterten wir über die Schnellstraßen-Absperrung und hatten einen etwas abenteuerlich gehetzten Weg zum Flughafen. Taxigeld sparen ist alles.

Was ich nicht wieder machen würde? 4 Unterkünfte in einer Woche. Das verkraftet mein arbeitendes Ich nicht. Ein bisschen mehr Ruhe brauche ich dann doch. 😀

Italien war hektisch, voll & schön und noch vielseitiger, als ich es erahnen kann. Deshalb möchte ich nochmal hin. Zum Vesuv und Pompeji, die Küste entlang bis nach Palermo. Im Mietwagen.

Mehr Italienbilder unter https://merrylou.de/web2/rom-neapel/

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