Was ich von Tansaniern lernen möchte

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Was ich von Tansaniern lernen möchte
Lake Malawi

„Wie war es in Tansania? Versuche es in einem Satz zu beschreiben!“, fragte man mich.

Tatsächlich musste ich nicht lange überlegen:

„Kostbar, meine Zeit in Tansania war kostbar.“, ist meine Antwort.

Und wenn die Menschen mehr Zeit haben, dann erzähle ich von Höhen und Tiefen, von meiner schrecklichen Rückreise und der Nacht auf einem Campingplatz, bei Gewitter und ohne funktionierende Kreditkarte, gesperrtem Konto sowie zu wenig Geld auf meiner Prepaid-Handykarte.

Dann erzähle ich aber auch von tansanischer Gastfreundschaft und Gelassenheit, von Flora und Fauna und von dem, was wir voneinander lernen können.

Was hat mich in Tansania besonders beeindruckt?

Die Gemeinschaft

Beeindruckt hat mich die tansanische Kultur und die Gemeinschaft. Beziehungen sind wichtiger als Leistung. In diesem Land definiert sich meiner Beobachtung nach niemand über Leistung. Ich habe gelernt, dass es sinnvoll ist, sich auf einen Termin am Tag zu begrenzen (denn in Tansania weiß man nie genau, wann was beginnt oder endet). Diese Einstellung möchte ich gerne mit nach Deutschland nehmen und nicht mehr nach der Arbeit drei weitere Termine bewältigen.

Der Umgang mit der Natur

Bananen aus dem Garten

In Tansania lebt man mit dem Wetter. Niemand fürchtet „Unwetter“, Trocken- und Regenzeiten sind vollkommen normal, wegschwimmende Lehmhäuser in jedem Jahr auch. Man lebt mit der Natur und akzeptiert sie, man fügt sich. Das fand ich sehr beeindruckt, bin ich doch aus einem deutschen nassen Sommer gekommen, bei der man bei einer Woche 40 Grad sofort die Endzeitapokalypse ausgerufen hatte. Ich glaube, wir können von Tansaniern lernen, uns an das jeweilige Klima anzupassen. Ich bin der Meinung, dass sich Menschen an das Klima anpassen müssen und es funktioniert nicht, dass sich das Klima an den Menschen anpasst (egal, wie stark wir versuchen, Plastiktrinkröhrchen zu vermeiden.). Dafür ist die Natur viel zu mächtig und für uns zu unkontrollierbar. Wie gehen Tansanier also damit um? Man kennt Extreme. Zur Not werden Ratten oder Termiten gegessen. In jedem Jahr, nach der Regenzeit, die Häuser neu aufgebaut. Pragmatisch.

Die Tierhaltung

Rinder am Mount Loleza

Tansanische Tiere sind wohl wesentlich glücklicher als die europäischen. Tansania ist ein Land, in dem die Rinder nur Gras fressen, freien Ausgang haben und einfach durch die Felder streifen (Viehhüter passen auf). So schmeckt das Fleisch und auch die Milch ganz anders (schließlich richtige Graskühe). Fleisch ist Luxus, dementsprechend ist es selten auf den Tischen. Man lebt mit und von den Tieren – im Austausch. Ich sah, wie so ein geschlachtetes kopfloses Schwein und eine Pute von innen aussah – für mich eine spannende Erfahrung. Als Westlerin, die nur die „fertige“ Wurst kennt, fand ich es wichtig zu sehen, wo das Fleisch eigentlich herkommt. Und nein, ich fand all die Fliegen und Därme nicht ecklig – das ist die Natur. Glücklicherweise folge ich nicht dem ansteigenden deutschen Trend und lebe vegan – sonst hätte ich mehreren Gastgebern vor den Kopf stoßen müssen, die doch extra für die Gäste Fleisch zubereiten. 😉

Die Gelassenheit

Ich hoffe, dass ich ein Stück der tansanischen Gelassenheit in meinem Herzen behalte. In diesem Land weiß man nie, wann was beginnt oder endet. Verspätungen sind normal. Deshalb kann man sich keine drei Termine auf den Nachmittag legen, weil nie etwas nach der Uhr funktioniert. Ich hoffe, ich werde meinen Terminkalender nicht mehr bis in die letzte Spalte ausfüllen, sondern Zeit haben, um mit Menschen zu plaudern, die ich spontan auf der Straße treffe. Zeit, um eine halbe Stunde durch die Wohnung zu tanzen, Zeit, um Neues kennenzulernen.

Die Zeit in Tansania war kostbar für mich – weit weg, von dem, was bekannt ist. Weit weg, aus meiner Komfortzone zu sein. Kostbar.

Matema am Lake Malawi
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