Zahlen und Fakten

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Zahlen und Fakten

Eines meiner stärksten Interessengebiete sind Sklaverei im globalen Kontext und noch viel stärker: Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung in Deutschland. Seit 2011 liegt mir das Thema auf dem Herzen, seit über 3 Jahren bin ich in meinem Bundesland und bei IJM „aktiv“. So habe ich Wissen angesammelt. Ich habe gelesen, gehört und gesehen. Ich habe eine klare Meinung zum Thema Prostitution in Deutschland.
Meinungen können nicht objektiv sein. Da diese meine Artikel trübt, möchte ich heute einen rein faktenbasierten Artikel ohne Wertung (außer am Ende) schreiben. Es ist mir so unglaublich wichtig: Informiert euch! Menschenhandel ist kein Problem von Hamburg oder Stuttgart, nein Menschenhandel findet in deiner Stadt und vielleicht sogar neben deiner Haustür statt.


Heute gibt es weltweit Millionen von Sklaven. Weniger als 1% der Opfer werden gerettet. Weniger als 1% der Menschenhändler werden verurteilt. Mit Menschenhandel wird jährlich ein geschätzter Umsatz von 150.2 Milliarden US Dollar erzielt.

A21

Die häufigsten Formen von moderner Sklaverei in Deutschland sind Ausbeutung der Arbeitskraft und sexuelle Ausbeutung.

Mehr als 90% der registrierten Opfer kommen aus Europa, davon zwei Drittel aus Ost- und Südeuropa.

Seit 2002 hat Deutschland eines der liberalsten Gesetzgebungen zur Prostitution in Europa. Daher ist es ein Ursprungs-, Transit- und Zielland für Opfer von Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung. (A21)


96% der Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung sind weiblich.*


70% der Tatverdächtigen männlich.


Kunden sind hauptsächlich Männer.


(BKA-Lage-Bericht)

Die Frau muss ihr Zimmer im Bordell selbst zahlen. Dieses kostet 100 bis 160€ am Tag.

Davon bezahlt sie 25€ Steuern.

Die Einnahmen belaufen sich auf ca. 30€ pro Geschlechtsverkehr mit Kondom.

Täglich müssen somit 4-6 Sexkäufer bedient werden, um das Zimmer und die Steuern zu bezahlen.

20-30 Kunden pro Tag sind der Regelfall.

Die Preise auf dem Strich beginnen bei 5€.


Es gibt keine staatlich unterstützten Ausstiegshilfen. (H. Tauch, Vortrag: Zur schädigenden Wirkung der Prostitution)

Die Umsätze der Bordelle in Deutschland belaufen sich auf 14,6 Milliarden Euro pro Jahr (R. Müller: „Das Nordische Modell – ein Plädoyer für einen neuen gesetzgeberischen Weg in Dt.“)

2% der Frauen prostituieren sich freiwillig und leiden nach eigenen Aussagen nicht. 98% der Frauen leiden unter den Folgen der Prostitution (posttraumatische Belastungsstörung, Traumata..) (nach S. Häggström, schwedische Polizei)

An dieser Stelle fällt es mir schwer, bei Fakten zu bleiben. Folgender Satz auf einem Vortrag ist mir eindrücklich hängen geblieben:

In Deutschland wird für die 2% an freiwilligen Frauen nicht nur eine mediale Plattform, sondern eine entsprechend liberale Gesetzgebung, im Sinne der Berufsfreiheit der Frau, geschaffen. Für die 98% gibt es weder eine schützende Gesetzgebung noch staatlich finanzierte Ausstiegshilfen.

50 – 90% der Frauen sind nicht freiwillig in der Prostitution (niedersächsische Polizei).


Fragen über Fragen.

Zahlen einer Demokratie? Zahlen einer Welt, in der wir wollen, dass unsere Töchter und Söhne groß werden? Wie erklären wir unseren Kindern und Kindeskindern, dass es okay ist, dass unsere Töchter für 5 Euro Objekte werden? Wenn „Sexarbeit“ ein Beruf wie jeder andere ist, warum werden in Foren der Bordelle über Frauen und sogar Minderjährige Äußerungen getroffen, von denen jedenfalls mir schlecht wird und aufzeigt, dass Frauenrechte auch in Deutschland nicht flächendeckend Normalität sind? Welche “Dienstleister*innen werden sonst in einem Katalog mit Schuhgröße, Brustform und Augenfarbe im Internet präsentiert? Warum denken wir, Prostitution sei ungefährlich, wenn ein Mann für 200€ auf eine Frau urinieren darf? Was ist mit “die Würde des Menschen ist unantastbar?”

*deshalb verwende ich hauptsächlich den Begriff “Frau”

T-Shirt: The Justice Project

Fotos: Johanna S. (Instagram: johannaschuenke)

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